MCCC23

31. Juli – 2. August 2023
Orff-Zentrum München

Der Entschluss Herzog Wilhelms IV. von Bayern im Jahr 1523 verschiedene Musiker aus der Hofkapelle seines verstorbenen Onkels, Kaiser Maximilian I., für seine eigene Kapelle anzustellen, markiert einen Wendepunkt in der Kulturpolitik des Münchner Herzogs. 

Mit ihr wird ein Bewusstsein für „kulturelle Gestaltungsspielräume“ (Nicole Schwindt) und eine bewusste Inszenierung verschiedenster medialer Wirkungsmächte (Architektur, Malerei, Musik) erkennbar, die der Schaffung einer Identifikation und der Mehrung des eigenen (Nach)Ruhms dienen. Dieses Bewusstsein zeigt Wilhelm IV. als eine Herrscherpersönlichkeit, die nicht nur in politischer Sicht als zentraler Akteur auftritt, sondern die einerseits die auf Repräsentation ausgelegte kaiserliche Kunstpolitik tradierte und andererseits den Hof so in einer Zeit des religiösen Umbruchs sowohl nach innen als auch nach außen für Generationen fest im katholischen Lager verankerte.

Dennoch ist eine aktuelle Sicht auf und eine Bewertung des Hofes Wilhelms IV. bislang noch kaum erfolgt, der Facettenreichtum, der zwischen lokalem Profil und europäischer Perspektive agierenden Hofhaltung noch kaum erfasst, die mediale Präsenz oder performative Akte (wie sie in Festlichkeiten, Aspekten der Frömmigkeitspflege oder rituellen Handlungen zum Ausdruck kommen) noch kaum umfassend greifbar.

Die 1523 erfolgte Anstellung verschiedener Musiker am Münchner Hof soll daher zum Anlass genommen werden, einen aktuellen Blick auf den Hof Wilhelms IV. und Jacobäas von Baden zu werfen. Unterschiedliche Wissenschaftsdisziplinen und internationale Forscher sollen dabei nicht nur den aktuellen Wissensstand zu diesem Hof bündeln, sondern auch der herzoglichen Hofhaltung jener Zeit ein schärferes Profil verleihen.

Am Beginn der Tagung steht ein Gottesdienst am Sonntag, 30. Juli 2023, in der Hof- und Stiftskirche St. Kajetan (Theatinerkirche). Die Vokalkapelle singt unter Chordirektor Dr. Robert Mehlhart OP Proprienvertonungen von Heinrich Isaac und Ludwig Senfl sowie die Missa Cantorum von Orlando di Lasso.

Parallel zur Tagung findet in der Bayerischen Staatsbibliothek eine Kabinettpräsentation zum Thema Wilhelm IV., Ludwig Senfl und die Münchner Hofkapelle. Darüber hinaus werden das Ensemble Singer Pur und der Cembalist Alfred Gross im Rahmen einer Buch- und CD-Präsentation von aktuellen Notenausgaben und Musikaufnahmen das Repertoire der Hofkapelle zum Klingen bringen.

Die Tagung findet in Zusammenarbeit mit der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Gesellschaft für Bayerische Musikgeschichte e. V. statt. Die Ausstellung wird in Kooperation mit der Musiksammlung der Bayerischen Staatsbibliothek München realisiert.

Details zum Programm werden auf dieser Seite laufend ergänzt.

Morgenvorträge:
Larry Silver (US)
Nicole Schwindt (DE)

Referenten:
Helen Coffey (GB)
Ruth DeFord (US)
Fabrice Fitch (GB)
Manfred Heim (DE)
Irene Holzer (DE)
Moritz Kelber (DE)
Klaus Kipf (DE)
Franz Körndle (DE)
Heidrun Lange-Krach (DE)
Birgt Lodes (A)
Jan Lutteroth (DE)
Marius Mutz (DE)
Bernadette Nelson (P)
Daniel Parello (DE)
Jonas Pfohl (A)
Bernhard Rainer (A)
Bernhold Schmid (DE)
Thomas Schmidt (GB)
Kateryna Schöning (A)
Manuel Teget-Welz (DE)
Sonja Tröster (A)

Respondenten:
Wolfgang Fuhrmann (DE)
Markus Grassl (DE)
Andrew Kirkman (GB)
Martin Kirnbauer (CH)
Christof Paulus (DE)