06_MedRen 2021 (Lissabon) – Senfls Motetten im Kontext

Die kompositorischen Entwicklungen, die sich in der Gattung Motette nach 1500 beobachten lassen, wurden schon vielfach diskutiert – allerdings nur im Hinblick auf die franko-flämischen Komponisten der Zeit. Die gattungsgeschichtlichen Weiterentwicklungen im deutschsprachigen Raum und der dort entstandenen Kompositionen wurden dagegen bis heute vernachlässigt. Und obwohl Motettenanthologien von deutschen Druckern immens wichtig waren für die Internationalisierung des franko-flämischen Repertoires, wurden Werke deutschsprachiger Komponisten innerhalb dieser Musikdrucke marginalisiert und als Ausdruck eines begrenzten regionalen Interesses verstanden, was letztlich der Grund dafür war, warum kompositionsgeschichtliche Veränderungen in der „deutschen“ Motettenproduktion und ihr Verhältnis zu internationalen Trends bislang noch kaum verstanden und untersucht wurden.

Diese Lakune der Musikforschung wird im Zusammenhang mit der nun vollständig vorgelegten Edition der Motetten Ludwig Senfls besonders deutlich sichtbar. Senfls Motettenœuvre mit 110 erhaltenen Werken macht eine Dimension der Motettenproduktion erkennbar, die in Relation zum Motettenschaffen von Senfls Zeitgenossen gesetzt werden muss. Grund genug also für die Organisation eines Panels, das bei der diesjährigen Medieval & Renaissance Music Conference in Lissabon stattfinden soll.

Unter dem Titel Mapping the Motet in German-Speaking Regions, 1500–1550 finden zwei Sessions mit jeweils vier Vorträgen statt, die nicht nur Fragen zum Stil, der Überlieferung und Verbreitung von Senfls Motetten aufwerfen werden, sondern sich vor allem auch neuen Ansätzen zur Erforschung deutschsprachiger Komponisten widmen möchten. Ziel ist es, das Motettenschaffen der wichtigsten Komponisten der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts in den Blick zu nehmen und dabei die ausgetretenen Wege zur Geschichte der Motette zu verlassen um ein neues – erweitertes – Verstehen und Verständnis dieser zentralen Gattung in einem pan-europäischen Kontext zu ermöglichen.

Die erste Sitzung widmet sich dem Einfluss von Quellen, bringt Einblicke in die Produktion und Verbreitung von Motetten in Drucken, Handschriften und Tabulaturen. Die Beiträge der zweiten Sitzung diskutieren dagegen die wichtigsten Gattungen der Zeit: die Psalmmotette und die mehrtextige Motette, und setzt sich so mit Kompositionstechniken und historischen Traditionen bei Senfl und seinen Kollegen auseinander.

Save the date and stay tuned for more!

Medieval & Renaissance Music Conference, 2021
Lisbon, 5–9 July 2021


Mapping the Motet in German-Speaking Regions, 1500–1550

Elisabeth Giselbrecht
‘A carefully selected bouquet’ – German Composers in Early Motet Anthologies

Stefan Gasch
Once Again: D-Z 81/2 – Thoughts and Observations on Motets in Manuscripts from Central Germany

Kateryna Schöning
Motets in Tablatures 1500–1550

Alanna Ropchock Tierno
Old Music, New Places: Heinrich Finck’s Sacred Works in the Czech and Slovak Lands

Scott Lee Edwards
The Inclusive Psalter: Understanding the Rise of the Latin Psalm Motet in Central Europe

Markus Grassl
The Latin Compositions of Arnold von Bruck: A Preliminary Assessment

Sonja Tröster
More Than the Sum of Its Parts? Senfl’s Polytextual Motets

Fabrice Fitch
Senfl’s Ave, Maria … Virgo serena in Context


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